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Inszenieren zum Fotografieren

Gwen Kaufmann, m+a - Friday, July 26, 2019    

Inszenieren zum Fotografieren
© Messe München / Frommel Fotodesign

Wer auf der größten Messe der Welt den Überblick behalten möchte, der muss hoch hinaus. Die Bauma in München (8. bis 14. April) präsentiert alle drei Jahre einen riesigen temporären Baumaschinenfuhrpark, der selbst für langjährige Brancheninsider immer wieder ein aufregendes Bild bietet. Grund genug für die Messe München, nicht nur Helikopter Rundflüge für VIPs anzubieten, sondern mit einem Aussichtsturm allen Besuchern die Gelegenheit zu geben, sich einen Überblick von oben zu verschaffen. Der Selfie Tower ragte bei der Bauma 2019 auf dem Freigelände Nord in Nähe des Eingangs Nord/Ost 22 Meter in die Höhe und bot eine Aussichtsplattform von 54 Quadratmetern. Gebaut war er aus 24 Container, ausgestattet mit 320 Tonnen Ballast, wodurch ein Gesamtgewicht von 420 Tonnen erreicht wurde. Ein Besuchermagnet, der sich auf der Messe wie auch im Web regen Zuspruchs erfreute. Allein das Zeitraffervideo der Aufbaus, den die Messe München Tochter Meplan verantwortet hat, wurde auf Instagram über 11.000 Mal angesehen, zum Hashtag #Bauma2019 finden sich bei Instagram über 21.000 Einträge.

Solche Postings können für potenzielle Besucher als Gradmesser dienen, ob es sich lohnt, eine Branchenveranstaltung zu besuchen, insbesondere im B2B-Bereich, weiß Claudia Leischner, Geschäftsführerin des zu Dentsu Aegis gehörenden B2B-Netzwerks Gyro: „Im B2B-Bereich spielen Fachveranstaltungen, auf denen sich die Entscheider der Branche begegnen, eine zentrale Rolle. Je digitaler die Kommunikation im Alltag, desto wichtiger das persönliche Treffen von Angesicht zu Angesicht. Allerdings haben Entscheider ein begrenztes Zeitbudget und Events gibt es in jeder Branche im Überfluss“, konstatiert die Kommunikationsexpertin gegenüber dem Branchendienst „Horizont“, DFV Mediengruppe, Frankfurt. Sie empfiehlt Veranstaltern, gezielte Ambassador-Programme aufzusetzen, in die sie wichtige Multiplikatoren ihrer Branche einbeziehen. „Die Markenbotschafter des Events werden als Speaker eingebunden und/oder erhalten im Zuge der Veranstaltungen weitere Vorteile, beispielsweise mehr Sichtbarkeit und Reichweite über die Kanäle des Veranstalters“, erläutert Leischner das Modell – wobei darauf zu achten sei, „dass beide Partner gleichermaßen von der Zusammenarbeit profitieren.“ Ihr Rat lautet deshalb, nicht für Beiträge zu bezahlen, sondern dafür zu sorgen, dass diese aus Überzeugung veröffentlicht werden. Außerdem gelte es, Anreize zur Kommunikation zu schaffen.

 

Einen solchen Anlass hat die Nürnbergmesse im Frühjahr mit der Führung von rund 20 Fotografinnen und Fotografen der Igers Nürnberg über ihr Gelände geschaffen. Die nach eigener Angabe offizielle Community von der und für die Nürnberger Instagram-Szene war bei den Franken für einen Instawalk zu Gast, um die Architektur mit frischen Augen zu sehen und abzulichten. Das Ergebnis waren neue Impressionen, die auf den Social-Media-Kanälen der Nürnbergmesse für Abwechslung sorgten. „Die Bilder, die entstanden sind, sind wirklich klasse geworden. Alles in allem war der Instawalk eine rundum gelungene Veranstaltung – sowohl für uns, als auch für unsere Gäste“, fasst Sabrina Huck, Unternehmenskommunikation Nürnbergmesse, den Rundgang mit den Instagramfans zusammen. „Auf unseren Social-Media-Kanälen war der Instawalk ein voller Erfolg und kam bei unseren Followern sehr gut an – die Posts dazu sind unter unseren Top Ten 2019“, so die Koordinatorin der Aktion.

Eine attraktive Kulisse für Fotos zu bieten, um Besucher zum Teilen über soziale Netzwerke zu ermuntern und so zu Botschaftern der Veranstaltung werden zu lassen, wird von vielen Messeformaten bewusst genutzt. So hat die Messe Frankfurt die von Atelier Markgraph, Frankfurt, inszenierte Sonderschau ihrer Heimtextil (8. bis 11. Januar) mit einer Selfiewand bestückt, fest installierte Smartphonehalterungen inklusive, um das Ablichten komfortabel zu gestalten. Dazu wurden Requisiten in Form von Sprechblasen mit Sprüchen zur Verfügung gestellt, um den Fotos einen witzigen Twist geben zu können. Eine Idee, die ankam: Zu Stoßzeiten standen die Besucher Schlange, um sich an einer der fünf Stationen selbst fotografieren zu können.

Einen fotogenen Besuchermagneten wollte die Deutsche Telekom mit ihrem Auftritt auf der Ifa 2018 schaffen. Präsentiert hat sich das Bonner Unternehmen mit einer an das Computerspiel „Monument Valley“ angelehnten Erlebniswelt, die den Besuchern viele Interaktionsmöglichkeiten und Fotospots bot. Unter dem Motto „Magenta verbindet“ wurde ein immersiver Erlebnisraum geschaffen, in dem sich Digitalisierung, Vernetzung und Virtualität auf vielfältige Weise erfahren ließen. Eine Selbstdarstellung, die sich stark von denen der Vergangenheit unterschied, wie Antje Hundhausen, Leiterin Brand Experience bei der Deutschen Telekom, betont: „Früher waren die Auftritte der Telekom eher einer Machtmarke entsprechend. Die Größe eines ehemaligen Monopolisten stand im Vordergrund“, beschreibt die Messe-Verantwortliche die Herangehensweise der Vergangenheit. Davon ist das Unternehmen deutlich abgerückt: „Inzwischen spielen Digital Lifestyle, Kundenservice und Dialog eine viel wichtigere Rolle. In unserer digitalen Zeit haben Menschen das Bedürfnis nach echten, direkten Erlebnissen und Erfahrungen – genau das bieten wir bei unseren Markenauftritten.“ Umgesetzt wurde das in Berlin auf der Ifa durch eine Vielzahl von interaktiven Exponaten. Für Architektur, Kommunikationsdesign und Szenografie zeichnete die Kölner Agentur Meiré und Meiré verantwortlich. Als besonders beliebter Selfie-Hotspot war das den gesamten Stand umspannende Panorama konzipiert, das den Betrachter in die Cloud entführte. Und das soll noch längst nicht die kreative Endstation gewesen sein, um Resonanz zu generieren: „Auch in den kommenden Jahren werden wir die Besucher mit neuen, kreativen Ideen begeistern“, stellt Erlebnisexpertin Hundhausen in Aussicht.

 

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