Interaktionsplattform

Der Besucher im Mittelpunkt

Annika Dammann, m+a - Monday, November 25, 2019    

Der Besucher im Mittelpunkt
Foto: Kristof Lemp

Einiges war anders bei der diesjährigen IAA: Viele langjährigen Aussteller (und damit auch Besucher) blieben der Leitmesse fern und die, die sich präsentierten, taten dies zum Teil deutlich reduziert und mitunter auf anderen Standflächen. Da wirkte es fast erleichternd, dass Mercedes Benz wie gewohnt in der Festhalle zu finden war. Aber auch die Stuttgarter hatten ihre Ausstellungsfläche nicht unerheblich reduziert: Diesen September belegte Mercedes nur 8.800 Quadratmeter, vor zwei Jahren waren es noch rund 11.000. Auch sonst hat der Automobilkonzern seinen Messeauftritt deutlich verändert und stärker die Interessen und Wünsche der Kunden in den Mittelpunkt gestellt. Was vor zwei Jahren mit der Initiierung als Dialogplattform begann, wurde dieses Jahr noch weiterentwickelt und gestalterisch so wie inhaltlich überarbeitet. Das eingespielte Agenturen-Team Jangled Nerves, Stuttgart, (Architektur & Gesamtplanung) und Atelier Markgraph, Frankfurt, (Kommunikation & Inszenierung) hat den Auftritt unter dem Motto „Beyond the car – Die Zukunft der Mobilität“ als Visitor Experience ganz nach den Bedürfnissen der Besucher entwickelt. Für die Umsetzung sorgte das Messebau-Unternehmen Display International, Würselen, – ebenfalls kein Unbekannter bei der Bespielung der Festhalle. Mit der Neukonzeptionierung haben die Verantwortlichen nichts weniger als einen Paradigmenwechsel vollzogen: Statt reiner Auto-Ausstellung steht nun das Erlebnis der Besucher im Mittelpunkt. Sprich: Zugunsten von interaktiver Zukunftsszenarien, die einluden, die Mobilität von morgen zu erkunden, wurde auf einen Großteil der ansonsten ausgestellten Fahrzeuge verzichtet. (Sie wurden stattdessen in das der Festhalle vorgelagerte Forum ausgegliedert.) In vier immersiven Räumen mit individueller Gestaltung und Szenografie, ging Mercedes wichtigen Fragen rund um die Mobilität der Zukunft nach: Wie werden zukünftig die Mensch-Maschinen-Schnittstellen funktionieren? Wie kann Mobilität nachhaltiger werden? Oder, wie sieht eine humanere Stadt aus, wenn der technische Fortschritt die bestehende Infrastruktur nicht mehr benötigt?

Langjährigen IAA-Besuchern fiel die Neukonzeption, vor allem in puncto Architektur, sofort ins Auge. Die imposante Festhalle war durch eine bis unter die Decke reichende Konstruktion quasi längs halbiert. Eine urbane Stadtfassade respektive überdimensionale Bühne präsentierte sich zum offenen Teil der Halle, die – nun zum ersten Mal nicht vollständig verbaut – eindrucksvoll zur Geltung kam.

 

Der Start des Rundgangs begann – wie gewohnt – mit der Rolltreppe, die die Besucher bis auf die höchste Ebene transportierte. Bei Warteschlangen sorgte eine raumbildende Medienbespielung mit ikonographischen Momenten aus der Unternehmensgeschichte für Abwechslung. Oben angelangt durchliefen die Besucher vier immersiv inszenierte Räume. Den Anfang bildete der Bereich „Intuitive“, der mit einer gespannten Fadenskulptur die Vernetzung der unterschiedlichen Verkehrssysteme und -Teilnehmer thematisierte. Den Anschluss machte der Raum „Energize“, der sich dem Thema Entschleunigung widmete. Der kokonartige Raum mit amorpher Deckenskulptur wurde durch eine farblich changierende Illumination inszeniert, die die Besucher mit ihrem eigenen Pulsschlag gar selbst beeinflussen konnten. Etwas aktiver ging es hingegen bei „Excite“ zu, wo explizit zur Partizipation an Gaming- und Motorsportaktivitäten aufgefordert wurde. Eine Formation aus abgehängten, rötlich reflektierenden Kugeln spiegelte dessen Dynamik und Energie wider. Hier trafen ausgestellte Fahrzeuge auf innovative Entertainmentformate, das sogenannte In-Car-Gaming. Zudem konnten Besucher einen virtuellen Formel-E-Rennparcours entlang surfen. Als fiktives Stadtviertel präsentierte der vierte Ausstellungsraum „Responsible“ mögliche Szenarien urbaner Mobilität. Vielfältige Interaktionsangebote sorgten auch hier für Erlebnischarakter. Und das Erlebte sollte im besten Fall via Social Media geteilt und verbreitet werden – viele Instagram-taugliche Inszenierungen luden dazu ein. Etwa ein Sky Walk: ein gläserner Balkon, der mitten in den Luftraum der Festhalle ragte. Schwindelfreien Besuchern war hier ein spektakulärer Ausblick und zugleich beste Selfie-Kulisse garantiert.

Vielfältige Interaktionsangebote sorgten für Erlebnischarakter

Imposanter Endpunkt des Rundgangs bildete das „Big Picture“, eine großflächige Medieninstallation mit integrierten Bühnen, vor sich der Besucher nach dem Treppenabgang wiederfand. Hier wurden die Fahrzeuge in Alltagssituationen, sogenannten „Casual Moments“ gezeigt – ebenfalls ein Perspektivwechsel.

Wieder am Start und letztes Element des Dreiklangs Forum, Experience und Kongress: die Me Convention. Die Kooperationsveranstaltung von Mercedes und den Machern des Festivals South by Southwest in Austin, hatte nach der IAA 2017 und 2018 in Stockholm, nun ihre dritte Ausgabe wieder in Frankfurt. War das Festival vor zwei Jahren noch Teil des eigentlichen Messestands gewesen, hatten die Organisatoren sich nun für einen separaten Veranstaltungsort in Halle 1 entschieden. Verantwortlich für die Umsetzung war, wie 2017, Liganova aus Stuttgart. Unter dem Motto „Start making where others stop talking“ trafen vom 11. bis 13. September all diejenigen zusammen, die an den Fokusthemen Künstliche Intelligenz, Infotainment, alternative Antriebe, Lösungen für den Klimawandel, Smart Cities oder die Sharing-Economy interessiert waren. Das sprach ein junges Publikum an und – und das ist das Besondere – ein überraschend weibliches. Eine Wunschzusammenstellung, betrachtet man im Gegensatz dazu die Besucherumfrage des Verbandes VDA, nach der der Frauenanteil der IAA-Besucher nur lediglich ein Fünftel betrug.

SHARE THIS ARTICLE

Related Articles

Trendforum

The Trend Forum at Light + Building in Frankfurt takes a look into the future

Read more
Three cities vying for IAA

The German Association of the Automotive Industry has chosen to hold further discussions on the future of the IAA with Berlin, Hamburg and Munich

Read more
Focus on climate change in Spain

After the Government of Chile had to cancel the United Nations Climate Change Conference, the Government of Spain offered to hold the conference in Madrid.

Read more

Most read articles

New waste disposal system

Sniec has launched an initiative to rid itself of the large volumes of waste generated by events

Read more
Support for Sustainable Development Goals

UFI has updated its database of initiatives and projects from the exhibition industry that support the Sustainable Development Goals of the United Nations (UNSDGs).

Read more
Distinctive centrepiece

Nürnbergmesse is to invest around 200 million euros in NCC Süd, "a further architectural and functional highlight of the Exhibition Centre", says CEO Peter Ottmann.

Read more

Categories and Tags

Design | Praxis | IAA | Frankfurt | Mercedes | Automobil | Interaktion