Nachhaltige Bodenbeläge

Luft nach oben

Annika Dammann, m+a - Dienstag, 22. Oktober 2019    

Nachhaltige-Bodenbeläge
© Deutsche Messe

Noch bringt man Standbau und Nachhaltigkeit eher selten in Verbindung, zu groß sind in der Regel die Müllberge am Ende der Veranstaltungen. Einen großen Anteil daran haben unter anderem auch die Bodenbeläge. Doch einige Hersteller geben mit ihren neuen Produkten Grund zur Hoffnung.

Eben dieser Anspruch, Messen umweltfreundlicher zu machen, bewegte Sebastian Grimm, Götz Röber und Dirk Pieper zur Gründung ihres Start-ups Paprfloor in Weil der Stadt. Langjährig selbst Aussteller auf einem Gemeinschaftsstand der Hannover Messe hatten sie lange nach einem nachhaltigen und ressourcenschonenden Bodenbelag gesucht und diesen letztendlich einfach selbst geschaffen: Paprfloor. In Zusammenarbeit mit einer Papiermanufaktur entwickelten sie den Wellpappe-ähnlichen Bodenbelag, der schlicht und einfach aus Altpapier hergestellt und nach Ende der Veranstaltung wieder zu solchem recycelt wird. Dieser umweltfreundliche Materialkreislauf spart laut Unternehmen zehn Kilogramm CO2 pro Quadratmeter, eben jene Belastung, die bei der Herstellung herkömmlicher Teppichböden entstehe. Nicht zu vergessen, die Müllersparnis, die der Kreislauf mit sich bringt. Auch in puncto Gestaltung müssen Nutzer nicht zurückstecken: Jedes Motiv ist auf den Boden druckbar. Welche beeindruckenden Ergebnisse man damit erzielen kann, zeigte unter anderem die Kooperation mit der Designerin Heike Kobusch, die eigens für Paprfloor verschiedene Designs entwickelte; für die Umsetzung sorgte das Unternehmen Print-Concept Röber aus Willich. Eine erfolgreiche Kooperation, die 2018 im Rahmen des Materialpreises der Stuttgarter Materialagentur Raumprobe einen zweiten Preis sowohl in der Kategorie Innovation als auch Publikumsliebling gewann.

 

Die Oberfläche von Desso Orchard bietet ein unregelmäßiges Punktmuster, das sich aus zwei unterschiedlichen Garnen in ähnlichen Farbtönen zusammensetzt.© Tarkett

 

Apropos schlechte Ökobilanz von Teppichböden: Object Carpet, Hersteller von textilen Bodenbelägen aus Denkendorf, fühlt sich dem Schutz der Meere verpflichtet und geht einen Schritt in Richtung Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit. Anfang 2019 wurde das Unternehmen Partner der Healthy-Seas-Initiative: Diese sammelt zurückgelassene Fischernetze aus den Meeren, um diese von Müll zu befreien. In Kooperation mit Aquafil, einem Anbieter von Kunstfasern, werden die Netze zu Econyl-Garn recycelt, die Object Carpet für die Herstellung seiner Teppichböden verwendet. Schon jetzt bestehen 60 Prozent der Neuprodukte der Denkendorfer aus Econyl-Garn. „Langlebige und nachhaltige Teppiche mit einer guten Ökobilanz zu produzieren ist für uns ein kontinuierlicher, natürlicher Prozess. Dieser Gedanke war schon immer tief in unserem Unternehmen verankert. Gemeinsam mit Healthy Seas möchten wir den Übergang zu einer nachhaltigen Gesellschaft fördern und den Materialkreislauf schließen“, so Geschäftsführer Daniel Butz. Dabei legen die Denkendorfer nicht nur Wert auf eine nachhaltige Oberfläche, auch die Rückseite sollte besonders umweltverträglich sein. Etwa mit dem neuen Fliesenrücken Welltex. „Welltex ist 30 Prozent leichter, sehr elastisch und verlegefreundlich, einfach zu schneiden und zu verarbeiten. Zudem sind alle Fliesenschichten – von der Nutzschicht über das Grundgewebe bis hin zur Faser- und Filamenteinbindung inklusive Kleber und Abdeckvlies – überwiegend aus recycelten Materialien gestaltet, die besonders emissionsarm sind. Damit ist es uns gelungen ein Produkt zu entwickeln, das komplett frei von Bitumen, Latex oder PVC ist. Darüber hinaus optimieren wir unseren ökologischen Fußabdruck zusätzlich durch seine neue Leichtigkeit im Transport,“ so Lars Engelke, Entwicklungsleiter und Geschäftsführer Object Carpet.

Hersteller setzen auf einen hohen Recyclinganteil

Auch der Hersteller Tarkett, Frankenthal, schlägt mit seiner neuen Kollektion Orchard in diese Kerbe. Die Teppichfliese Orchard ist nicht nur visuell von der Natur inspiriert, sondern soll sie auch im Sinne der Nachhaltigkeit unterstützen. Denn die Frankenthaler wissen, dass Design und Optik eines Bodenbelags nicht alleinige Entscheidungskriterien darstellen. Vielmehr liegt der Fokus auf Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit eines Produkts. So kann die neue Kollektion das Cradle-to-Cradle-Zertifikat vorweisen, welches die Materialgesundheit und Recyclingfähigkeit der Teppichfliese nachweist. Für die Herstellung kommt unter anderem das Nylongarn Econyl zum Einsatz, das vollständig aus recycelten Rohstoffen produziert wird; insgesamt besteht die Fliese zu über 46 Prozent aus recyceltem Material. Auch im Bereich der elastischen Bodenbeläge setzt Tarkett auf Nachhaltigkeit: Die Serie iD Revolution setzt auf den völligen Verzicht von PVC. Zu mehr als 80 Prozent wird sie aus recycelten oder bio-basierten Materialien hergestellt, einschließlich Mineralien, die nicht zur Ressourcenknappheit beitragen. Dazu gehören elf Prozent Biokunststoff, 49 Prozent Kreide, ein Mineral, das in der Natur reichlich vorhanden ist sowie 24 Prozent recyceltes Polyvinylbutyral (PVB). Dafür kooperieren die Frankenthaler mit einem Start-up aus der Recyclingindustrie. Dieses recycelt das Harz aus den Windschutzscheiben von Altfahrzeugen oder Gebäude-Sicherheitsgläsern.

 

Expo-Steinfurnier: Dank Trägerplatte mehrfach einsetzbar.© Expomobil

 

Ebenfalls auf recyceltes Material setzt das Unternehmen Markus, Düsseldorf, Anbieter von Bodenbelägen für Messen und Events. Bei seinem Teppich Eco-Silk kommt ausschließlich recyceltes Garn aus Kunststoffabfällen zum Einsatz. „Nach wie vor steht die individuelle Gestaltung an oberster Stelle bei der Messestand- und Veranstaltungsplanung. Diesem Wunsch der Planer und Entscheider möchten wir auch in Zukunft gerecht werden,“ konstatiert der Geschäftsführer Max Roelen. „Wir bieten unseren Kunden aber die Möglichkeit, Beläge und Varianten zu verwenden, die einen mehrfachen Einsatz erlauben, recyclingfähig sind oder aber besonders umweltschonend hergestellt wurden.“ Dabei betont er, wie wichtig die rechtzeitige Planung ist. „Nicht alle Nachhaltigkeitsvarianten lassen sich uneingeschränkt mit den übrigen Anforderungen an einen Bodenbelag kombinieren. Je früher hier angesetzt wird, desto höher sind die Chancen, alle Projektbeteiligten von den Vorteilen eines nachhaltigen Bodenkonzeptes überzeugen zu können.“

Mehrfacher Einsatz auf Messen und Veranstaltungen

Geht es um nachhaltige Messestände, ist mit Blick auf die Bodengestaltung auch eines wichtig: die Möglichkeit, Beläge mehrfach einzusetzen. Hier setzt eine Neuentwicklung von Expomobil, Filderstadt, an. Der Anbieter von Bodenbelägen für Messen und Events hat eines seiner Produkte diesbezüglich weiterentwickelt. Das Expo Steinfurnier ist jetzt auch mit Trägerplatten erhältlich und damit auch für den vermehrten Einsatz tauglich. Auch der Materialeinsatz ist ressourcenschonend: Lediglich eine ein bis zwei Millimeter starke Schicht wird von einem Naturstein abgezogen, anschließend wird sie auf die 18 Millimeter dicke Trägerplatte aufgebracht. Neben dem Standardmaß von 60 auf 120 Zentimeter sind auch weitere, individuelle Abmessungen möglich. Per Nut-Feder-Verbindung lassen sich die Platten einfach auf dem Boden verlegen, mit den entsprechenden Halterungs-Clips auch an der Wand. So können auch temporäre Räume mit echten Steinoberflächen nachhaltig gestaltet werden – inklusive authentischer Haptik und Farbe.

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