Leserbriefe auf unseren Newsletter vom 04.11.2020

Corona-Beschränkungen: Zu viel oder nicht genug?

fun - Mittwoch, 4. November 2020    

Corona-Beschränkungen: Zu viel oder nicht genug?
Foto: Imagao / Rene Traut

In unseren Newsletter vom 04.11.2020 sind wir auf den Anfang des Monats verkündeten Lockdown Light der Bundesregierung eingegangen. Betroffen sind dabei natürlich auch Veranstaltungen. Zu diesem Thema haben uns Zuschriften erreicht, die wir Ihnen nicht vorenthalten möchten: 

 

Leserbrief 1

Marion Borchert

Hallo Herr Funk,

ich finde die Maßnahmen der Regierung für total gerechtfertigt. Ich finde sogar, dass viel zu spät reagiert wurde. Ich finde es fatal, dass Wenige, nur um nicht mal auf ihren Spaß zu verzichten, das Leben und die Gesundheit Vieler riskieren.

Marion Borchert

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Leserbrief 2

Dirk Schmidt-Enzmann, Geschäftsführer der Media Spectrum GmbH & Co. KG

Sehr geehrter Herr Funk,

Sie haben mich angemailt und nach meiner Meinung gefragt. Im internationalen Vergleich stehen wir ganz gut da und unsere Politik hat sicherlich auch vieles richtig gemacht, dennoch bin mit den Maßnahmen der Bundesregierung oftmals nicht einer Meinung und halte diese für nicht besonders ausgereift – eher eine Verzweiflungstat nach dem Motto: wir wissen zwar nicht ob es hilft, aber wir müssen ja was tun … An der mangelnden Zeit kann es diesmal nicht gelegen haben - man hatte Monate Zeit darüber nachzudenken wie die nächsten Schritte aussehen sollen.

Ich bin kein Leugner des Virus oder der Krise – nur der Umgang und das weder die Politik noch die Menschen in der Wirtschaft in den letzten Monaten nennenswert etwas daraus gelernt haben treibt mich doch ein wenig in die Verzweiflung.

Die Angst die unsere Regierung mit Ihren Maßnahmen, den Verboten und mit dem erneuten Lockdown schürt, helfen nicht wirklich weiter.

Wenn Sie die Zeit finden, lesen Sie sich bitte mal meine Artikel durch. Die mögen rhetorisch nicht alle auf dem höchstem Niveau und auch in medizinischer Hinweis nicht immer 100% richtig sein, aber wann fangen wir Menschen an auch mal andere Lösungsansätze als nur Verbote und Lockdowns als mögliche Alternative anzuerkennen ?

Ich kämpfe seit Beginn der Corona Krise um einen vernünftigen Umgang mit Gesprächen, Artikeln und vielem mehr. Ich habe in den letzten Monaten mit zig Politikern auf kommunaler und auf Landesebene gesprochen.

Meine Artikel, zuletzt vom 25. Oktober, zum Thema Corona Krise finden Sie hier

Es gibt so viele gute Ideen die aber von der Politik, der Wirtschaft oder auch den Menschen einfach nicht umgesetzt werden:

  • Ein Bürgermeister schlug vor: Vormittags sollen die älteren Menschen und die Risiko Gruppen einkaufen gehen und Nachmittags und Abends die arbeitende Bevölkerung und die jüngeren Leute, um eine unnötige „Vermengung“ der Menschen zu vermeiden – ein einfacher und effektiver Ansatz.
  • Schüler sollen in der Schule verschiedene Anfangszeiten haben - die eine Hälfte beginnt um 8:00 Uhr die andere Hälfte um 8:30 Uhr – Busse und Haltestellen wären nur noch halb so voll und auf dem Schulhof dank versetzter Pausenzeiten wären auch nur noch die Hälfte der Schüler.
  • Schnelltest kommen im Vokabular unserer Politiker noch gar nicht vor, aber diese haben schon ein hohes Maß an Sicherheit. Warum werden Schulen, Kindergärten, Firmen, Messen, Veranstaltungen … damit nicht getestet? Es werden dafür weder Labore noch medizinische Dienstleister benötigt. Und wenn man Ergebnisse aus den Schnelltests hat, kann man bis heute diese nirgendswo abgeben, damit diese mit in die Statistik genommen werden können. Wir warten lieber bis wir bestätigte Infektionen haben und schicken alle im Umfeld des Infizierten in Quarantäne ?!?
  • Wir haben über 10 Millionen Menschen in der bezahlten Kurzarbeit. Könnte die Politik und die Wirtschaft nicht mal den Aufruf machen: wir brauchen Hilfe bei den Gesundheitsämtern, in den Krankenhäusern und Pflegediensten. Wir haben gerade 10 tausende von arbeitslosen Kellner – viele würden sicherlich im Krankenhaus bei der Essensversorgung gut helfen können und damit würden ausgebildete Schwestern zeitlich Luft bekommen um sich um wichtigere Dinge zu kümmern …

So könnte ich Seitenlang weitermachen – alles Lösungsansätze über die unsere Politik einfach nicht bereit ist nachzudenken - Lockdown und fertig - aber so einfach ist das eben leider mit Menschen nicht.
Mal ganz unabhängig von dem Geld was wir / unsere Regierung schon lange nicht mehr hat und den psychischen Problemen zehntausender von Menschen.

Wir in der freien Wirtschaft entwickeln inzwischen eigene „Public Space Hygienekonzepte“ mit Techniken, von denen die Politik nicht einmal weiß das es diese gibt.
Ich stehe Ihnen für weitere Gespräche gerne zur Verfügung
Schöne Grüße

Dirk Schmidt-Enzmann
Geschäftsführer

Media Spectrum GmbH & Co. KG

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Lserbrief 3

Tania v. Schöning, Rittergut Remeringhausen

Sehr geehrter Herr Funk,

vielen Dank für den Newsletter. Da Sie danach fragen, teile ich Ihnen gerne meine Meinung zum derzeitigen "Lockdown-Light“ mit.

Wir veranstalten auf unserem Rittergut jedes Jahr vier unterschiedliche Gartenmärkte bzw. -festivals und vermieten außerdem unsere Räumlichkeiten für diverse Veranstaltungen, Hochzeiten, Firmenevents und für Filmaufnahmen. Jeder Markt, jedes Gartenfestival hat einen unterschiedlichen Schwerpunkt (Pflanzentage, British Weekend, Parkfestival Romantic Garden, Novemberklüngel) (www.gut-remeringhausen.de)

Hochzeiten und andere Events wurden in diesem Jahr zu 90% storniert. Von unseren vier Gartenmärkten durften in diesem Jahr nur zwei stattfinden.

Der erste Markt des Jahres hätte am ersten Maiwochenende stattfinden sollten. Es handelt sich dabei um unsere Pflanzentage, ein Pflanzenmarkt mit 80 Ausstellern in unserem weitläufigen 8 ha großen Landschaftspark. Wir verteilen also 80 Aussteller auf 80.000 qm Außenfläche! Die Menschen haben sehr viel Platz, um sich aus dem WEg zu gehen, jeder Aussteller hat um sich die Fläche eines kleinen Gartens.

Unser Pflanzenmarkt wurde uns im Frühjahr untersagt, während es sich bereits in den Baumärkten und bei Ikea wieder die Massen tummelten und Schlange standen. Wir haben dann politisch stark dafür gekämpft, haben mit etlichen Bundestags- und Landtagsabgeordneten gesprochen und viele, viele Briefe geschrieben, bis die Politik endlich ein Einsehen hatte.

Irgendwann hatte die Politik eingesehen, dass Veranstaltungen in großen Parks kein größeres Infektionsrisiko bergen als bei Ikea oder in anderen Shoppingmalls. Die Corona-Verordnung Niedersachsens wurde daraufhin geändert, so dass Spezialmärkte im Freien mit Eintritt wieder stattfinden konnten.

Wir haben Hygienekonzepte entwickelt und diese mit dem Gesundheitsamt abgestimmt. Wir haben somit den Menschen auch in Zeiten der Pandemie eine Auszeit in der Natur ermöglicht. Nicht ein Infektionsfall ist auf eines unseres Events zurückzuführen gewesen.

Das letztes Event des Jahres, der „Novemberklüngel“ , hätte an diesem und nächstem Wochenende stattfinden sollen. Ein Markt für Weihnachtsdekortaionen etc., der ebenfalls im Park und in den historischen Gebäuden stattgefunden hätte. Voller Zuversicht hatten wir alles dafür geplant, inklusive eines erfolgserprobten Hygienekonzeptes, umfangreicher Illumination, der Werbung etc, alle Kosten, die nötig sind, um so ein Event auf die Beine zu stellen sind getätigt. Nun wurde uns eine Woche vorher auch diese Veranstaltung untersagt.

Können Sie verstehen, dass mir jedes Verständnis für diese derzeitigen Maßnahmen fehlt? Dieses Events wäre für unser Unternehmen, an dem zwei Ausbildungsplätze und 5 weitere Arbeitsplätze und drei Generationen hängen, sehr wichtig gewesen, zumal schon 90% der Hochzeiten storniert werden mussten.

Wir haben alles getan, monatelang investiert, haben die Ausstellerflächen erweitert, um das Infektionsrisiko, von dem die Experten sagen, dass es draußen sowieso sehr gering sei, noch geringer zu halten.
Und ich rede hier nicht nur von unserem Unternehmen, das unter der Situation leidet. Daran hängen viele kleine Aussteller, denen bereits 80% der Märkte in diesem Jahr weggebrochen sind, ebenso Musiker, Caterer, Zeltverleiher etc.

Derweil finden aber an genau diesem Wochenende offenen Sonntage in den Innenstädten um uns herum statt. Das ist für mich völlig unverständlich.

Eine ganze Branche, die monatelang alles dafür getan hat, um wenigstens auf einem Minimum weiterwirtschaften zu können, wird zum Buhmann erklärt, muss für die Allgemeinheit zurück stecken und wird durch die derzeitige Politik gerade platt gemacht.

Die Politik beweist mit diesem sogenannten Lockdown-Light ihre völlige Inkompetenz und Planlosigkeit. Schulen bleiben weiter geöffnet, unsere Kinder stopft man aber weiterhin in überfüllte Busse. Längst hätte man in die Schülerbeförderung investieren und mehr Busse etc. organisieren können, dazu hatte die Politik 8 Monate Zeit. Ebenso die Corona-Warn-App: Was nützt eine App, wenn ich nicht weiß, wann und wo ich eine Begegnung mit einer Risikoperson hatte bzw. wenn die Gesundheitsämter weiter händisch, die auf Papier ausgefüllten Zettel der Gastronomie etc. auswerten. Diese App könnte in Zeiten der Digitalisierung mit ganz anderen Funktionen zur Nachverfolgung des Infektionsgeschehens beitragen, wenn die Politik sich darum bemüht und es ermöglicht hätte.

Stattdessen verhängen wir einen Lockdown-Light, weil die Gesundheitsämter überfordert sind mit der Nachverfolgung der Daten.

Für mich ist all das ein Beispiel der beispiellosen Planlosigkeit unserer politischen Führung.

Ach ja, bei all meinen Besuchen in den Ministerien gab es übrigens keine Maskenpflicht.

Viele Grüße,

Tania v. Schöning

Rittergut Remeringhausen
31655 Stadthagen

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