Raus aus der Vergleichbarkeit

IAA-Neuanfang geht nicht an tradiertem Ort und alter Stelle

Christiane Appel, m+a - Montag, 3. Februar 2020    

IAA-Neuanfang geht nicht an tradiertem Ort und alter Stelle
© VDA

In Hamburg sagt man Tschüss, beim Auseinandergehn – was man in Frankfurt sagt, ist indes nicht verbürgt. Nach knapp 70 Jahren in der Mainmetropole zieht der Verband der Automobilindustrie seine Leitmesse vom dortigen Messegelände ab. Das ist bitter und dem Image der Stadt nicht gerade zuträglich, um es vorsichtig zu formulieren. Die weltweit als „Frankfurt Motor Show“ bekannte Veranstaltung war über Jahre ein Aushängeschild mit Signalwirkung. Unter dem Weggang leidet die Reputation, die Wirtschaftskraft tut es nicht minder.
Deutschlands besucherstärkste Messe? Keine Frage, die IAA – jedenfalls bis 2017. Zwei Jahre später, 2019, hat eine andere Messe sie locker überholt: Die Bauma in München zählte 620.000 Gäste, die IAA noch 500.000. Die Hoteliers hatten die PS-Schau zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschrieben respektive ihre Erwartungen deutlich nach unten geschraubt.
Es liegt nicht nur an Frankfurt, dass die Messe weiterzieht. Sie muss sich neu erfinden – und das geht nicht an tradiertem Ort und an alter Stelle. Wenn es stimmt, was die Gerüchteküche sagt, und die großen Hersteller auf der neuen IAA die Standgrößen künftig begrenzt sehen wollen, dann muss sie sich verändern. Mercedes nicht mehr in der Festhalle sondern deutlich kleiner auf dem Gelände? Eine fatale Botschaft. Jedenfalls in Frankfurt.
Bis zu 80 Millionen Euro haben sich die Unternehmen in der (glorreichen) Vergangenheit ihre Engagements dort kosten lassen. Diese Investments kann und will sich heute kein Hersteller mehr leisten. Das wird Folgen haben für die Live-Kommunikationsbranche. Sie hat zu einem nicht geringen Teil von den Spendings der Automobilhersteller profitiert – Architekturbüros, Messebauunternehmen wie Eventagenturen. Geld spielte bei den Auftraggebern (fast) keine Rolle, es wurde lange aus dem Vollen geschöpft. Die IAA galt als (inoffizielle) Weltmeisterschaft der Messebauunternehmen und sie haben nicht schlecht davon gelebt. Die „alte“ IAA war Benchmark für das, was in der räumlichen Markenkommunikation State of the Art und machbar ist. Das aber war einmal.
Heute ist den Herstellern die IAA von einst schlicht zu teuer. Also bleibt nur eine Möglichkeit: Raus aus der Vergleichbarkeit zu „früher“, von den Besuchern gelernte Laufwege verlassen, und auf zu neuen Ufern. Ob an Elbe, Spree oder Isar, das wird sich noch zeigen.

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